Warum “Fridays For Future“ einfach nicht ausreicht

20. Feb. 2020

Das Start-Up Avoid Waste zu Gast am Beruflichen Schulzentrum Waiblingen

Laut der Deutschen Umwelthilfe verbrauchen die Deutschen rund 2,8 Milliarden Coffee-To-Go-Becher im Jahr. Zu dieser Zahl hat bislang auch das Berufliche Schulzentrum in Waiblingen beigetragen. Gefühlt jeder zweite der bis zu 3500 Schüler der drei Schulen trinkt Kaffee oder ein anderes Heißgetränk - und das immer im Wegwerfbecher mit Plastikdeckel. "Das muss doch auch anders gehen", sagte sich Christiane Planert (Englisch und Spanischlehrerin der Gewerblichen Schule), begann daraufhin mit der Suche nach Alternativen und stieß auf das Start-Up Avoid Waste, das Becher aus Reishülsen anbietet. Gesundheitlich und ökologisch unbedenklich, zu 100 Prozent kompostierbar und nahezu unkaputtbar. Mit Hilfe großzügiger Unterstützung seitens der Unternehmen Stihl und Hafner und der Kreissparkasse Waiblingen, sowie über eine Spendenplattform konnten schon insgesamt über 1600€ gesammelt und bereits 400 Reiscups an die Schüler für jeweils 4€ ausgegeben werden.

Aber es geht hierbei um noch so viel mehr. Die Schüler müssen sich endlich darüber im Klaren sein, dass die Zukunft unserer Welt in ihren Händen liegt. Und wer könnte da ein besserer Motivator und Multiplikator sein als das junge Start-Up selbst? Avoid Waste (oder auch Craftingfuture) hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Menschen nicht nur durch ihre Produkte, sondern auch durch Vorträge und die persönliche Ansprache auf die Möglichkeiten hinzuweisen, mit denen wir unser Überleben auf diesem Planeten noch retten können. So stimmten Jan Patzer und Can Lewandowski auch gleich einem Besuch unserer Einrichtung und einer damit verbundenen Infoveranstaltung zu. "Wir müssen den Menschen einfach verdeutlichen, dass auch das kleinste Rad oder der kleinste Hebel einen Prozess in Gang setzt, der uns am Ende des Tages das Überleben retten kann" so die Jungunternehmer. "Es geht nicht darum, möglichst schnell von 100 auf null, also von der Wegwerfgesellschaft hin zu "zero waste" zu kommen. Wichtig ist der verantwortungsvolle Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen!"

Ende Januar. war es dann auch endlich soweit. Frei nach dem Motto "Die Natur braucht uns nicht, aber wir brauchen die Natur" informierten die Gründer von Avoid Waste rund 800 Schüler und Kollegen in zwei Veranstaltungen über Themen wie Mikroplastik, Greenwashing, nachhaltige Landwirtschaft und natürlich Müllvermeidung. Sie machten auf Gesundheitsrisiken, die mit der Verwendung von Plastik in der Lebensmittelindustrie einhergehen können, aufmerksam und wiesen immer wieder darauf hin, dass es keinesfalls ausreicht, beispielsweise einen nachhaltigen Kaffeebecher zu kaufen, um ihn dann nur ab und an zu benutzen. "Wenn Ihr etwas verändern wollt, dann müsst Ihr in Eurem Handeln versuchen, möglichst konsequent zu sein" so Lewandowski. Und konsequent sind die zwei Männer aus dem hohen Norden. Jan und Can besitzen privat kein Auto und fahren so gut es geht mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Fahrrad. Sie kaufen ihre Kleidung entweder Second-Hand oder aus biologisch einwandfreien und nachhaltigen Materialien. "Da ist dann natürlich kein Marken-Symbol irgendwo eingestickt" sagt Patzer mit einem leichten Grinsen. Dabei präsentiert er sein hochwertiges weißes T-Shirt aus Biobaumwolle, nachhaltiger Produktion und 100% CO2 neutral für 12€(!). Fast eine Stunde sprachen Can und Jan, kurzweilig, unterhaltsam und mit ganz viel Know-How. Am Ende hatten die Schüler noch die Möglichkeit, Fragen zu stellen und die mitgebrachten Materialien zu begutachten. Da gab es nicht nur den Becher aus Reishülsen zu bestaunen, sondern auch eine Computermaus aus Kaffeepulver oder transparente Tüten aus Zucker, die einer Plastiktüte zum Verwechseln ähnlich sehen. Es gibt sie also, die Alternativen zu den konventionellen Produkten, und nachhaltig bedeutet auch nicht immer gleich teuer oder absoluter Verzicht. Es kommt auf den achtsamen Umgang mit dem an, was uns Mutter Erde zur Verfügung stellt, auch wenn das bedeutet, dass wir manchmal ein paar Unbequemlichkeiten in Kauf nehmen müssen. Wenn man aber weiß, dass ein Umdenken der Menschheit den Verbleib auf diesem Planeten ermöglicht, dann ist das ein Kompromiss, den wir alle gerne eingehen sollten.